Mehr noch als für große Konzerne kann mangelhafte Compliance für mittelständische Unternehmen zum Existenzrisiko werden. Insbesondere in den Bereichen Korruption und Kartellverstößen, kann es zu ganz erheblichen Bußgeldern und Gewinnabschöpfungen kommen. Werden Strafverfahren eingeleitet, so droht nicht nur die Einziehung der rechtswidrig erlangten Gewinne nach Abschluss des Strafverfahrens, oft droht auch die Verhängung eines Arrestes, wodurch dem betroffenen Unternehmen unmittelbar und massiv Vermögen entzogen werden kann. Daneben droht die persönliche Strafbarkeit von handelnden Mitarbeitern und der Geschäftsleitung. Schließlich darf nicht vergessen werden, dass Verträge, die gegen gesetzliche Verbote verstoßen nichtig sind und Vertragspartner Schadenersatzansprüche geltend machen können.
Ist Compliance nicht einfach eine teure Modeerscheinung? Die Antwort hierauf muss eindeutig „Nein“ lauten. Teurer als die Einführung von Compliance ist nur der Verzicht darauf.
Tatsächlich profitieren Unternehmen von sauberen Strukturen, denn Korruption ist teuer, unberechenbar und riskant. Langfristig werden Aufträge nicht aufgrund von Bestechung vergeben, sondern durch zufriedene Geschäftspartner, die sich auf gute Qualität verlassen können. Häufig gilt: wer schmiert muss schmieren, da seine Produkte den qualitativen Anforderungen des Marktes nicht (mehr) gerecht werden. Entgegen weit verbreiteter Ansicht kommt es durch die Einführung von Anti-Korruptionsprogrammen tatsächlich nicht zu Beeinträchtigungen des Geschäfts. Vielmehr zeigt die Erfahrung, dass funktionierende Compliance Strukturen einen erheblichen und nicht zu unterschätzenden Wettbewerbsvorteil darstellen.
Dies gilt mittlerweile auch für die Vergabe von Krediten. Insbesondere bei der gegenwärtigen Finanzkrise ist der Nachweis von funktionierenden Compliance Strukturen für die Kreditvergabe sehr förderlich. Denn bei Bestehen von funktionierenden Compliance Strukturen wird das Risiko von existenzbedrohenden Haftungsprozessen und negativer PR ganz erheblich reduziert, so dass die kreditvergebende Bank dem Unternehmen ein geringeres Risiko zuweisen kann.
Dass Compliance wirkt, hat jüngst der Aufsichtsratschef von Siemens, Dr. Gerhard Cromme, bestätigt. Zwar hat die Aufdeckung der Korruption und die Einführung eines Compliance Programms bei Siemens rund 2 Mrd. Euro gekostet, doch führte dies nicht zu Umsatzeinbußen. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall. So berichtet Dr. Cromme, dass nach Einführung des Compliance Programms und Einstellung von Bestechungszahlungen die Auftragseingänge nicht etwa zurückgingen, sondern nach oben gingen (vgl. Interview im Spiegel, Heft 52/2008 S. 63).